Marieke Lucas Rijneveld: Was man sät

Marieke Lucas Rijneveld: Was man sät

Eine Familie zerbricht nach dem tödlichen Unfall des ältesten Sohnes, die Eltern ziehen sich in ihre Trauer und Selbstvorwürfe zurück, überlassen die drei jüngeren Geschwister mehr oder weniger sich selbst.

In diesem Moment endet die Kindheit , aber eine Vorstellung eines anderen, lebenswerten Lebens liegt noch außerhalb jeden Vorstellungsvermögens. Und so tasten sie sich voran, aus der Trauer heraus, irgendwohin, nur fort von dem bigotten, traurigen Elternhaus.

Von dieser Autorin werden wir noch viel lesen. Selten werden so finstere Momente und Gefühle so poetisch schön und sprachgewaltig eingefangen. Mein Buch für diesen Herbst.

Suhrkamp, 22,00 Euro

Thomas Hettche: Herzfaden

Thomas Hettche: Herzfaden

Der Roman beginnt fast wie ein Märchen: ein Mädchen verirrt sich auf den Dachboden der Augsburger Puppenkiste und trifft unter den bekannten Marionetten auf Hatü, die Gründerin der Puppenkiste. Sie beginnt die Geschichte des Theaters zu erzählen, von den Anfängen im den Kriegsjahren und dem Neubeginn in der Nachkriegszeit. Unmerklich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Poesie, greift die Rahmenhandlung in die Erzählung ein.

Mit Spannung und Vergnügen folgt man dem Autor auf seinen verschlungenen Wegen und läßt sich in die Welt des kleinen Theaters hineinziehen. Ganz sicher mein Favorit für den Deutschen Buchpreis in diesem Jahr.

Kiepenheuer & Witsch, 24,00 Euro

Der Klavierstimmer ihrer Majestät

Der Klavierstimmer ihrer Majestät

Ich habe mein Lieblingsbuch für diesen Sommer gefunden. Im östlichsten Winkel des Britischen Empire, auf einem kleinen Militärstützpunkt mitten im Dschungel, steht ein Klavier und muss gestimmt werden. Das Kriegsministerium betraut Edgar Drake, der nie einen Fuß aus London heraus gesetzt hat, mit dieser Mission. Und so macht er sich auf den Weg.

Wochenlang ist er unterwegs, bis er endlich an seinem Ziel ankommt. Und als Leser ist man einfach nur glücklich, ihn begleiten zu dürfen und mit ihm die Faszination und Schönheit dieser fremden Welt und ihrer wunderbaren Bewohner zu erkunden.

Beck Verlag, 24,00 Euro

Lutz Seiler: Stern 111

Lutz Seiler: Stern 111

Der Preis der Leipziger Buchmesse konnte diese Jahr nicht live auf der Messe vergeben werden – umso würdiger ist der Preisträger. Stern 111 ist die Geschichte einer zerrissenen Familie in einem zerrissenen Land, Wiedervereinigung ist ein schwieriger Prozess. Keiner kann uns auf eine solche Reise mitnehmen, wie es Lutz Seiler vermag.

Ein grandioser Roman. Erschienen im Suhrkamp  Verlag, 24,00 Euro

Karen Köhler: Miroloi

Karen Köhler: Miroloi

Das Schöne Dorf auf der Schönen Insel – das ist die ganze Welt für die Menschen in dieser Geschichte. Sie haben keinen Kontakt zur Außenwelt und leben wie vor Jahrhunderten im Rhythmus der Jahreszeiten. Frauen dürfen nicht Lesen und Scheiben lernen, alle Bewohner müssen sich den  strengen, patriarchalen Gesetzen unterordnen, jeder Verstoß gegen die Gesetze und jeder Versuch, die Insel zu verlassen werden hart bestraft. Nur das Findelkind ohne Namen, das Mädchen, das vom Priester aufgenommen wurde, hat keinen Platz in dieser strengen Hierarchie. Sie lehnt sich auf, lernt lesen und kämpft für ihre Freiheit.

Ein Miroloi ist ein Totenlied, in dem ein ganzes Leben besungen wird. Das Mädchen singt es für sich selbst in einer unglaublich packenden Sprache.

Hanser Verlag, 24 Euro

Daniel Mason: Der Wintersoldat

Daniel Mason: Der Wintersoldat

Der Schauplatz ist grandios: eine Kirche in einem vergessenen Dorf tief in den winterlichen Karpaten dient als notdürftig eingerichtetes Feldlazarett. Die Front rückt mal näher, mal entfernt sie sich, und eine junge Nonne hält den Betrieb aufrecht. Hierhin verschlägt es den hochbegabten aber völlig unerfahrenenen Medizinsutdenten Lucius., und hier wird er alles lernen über das Leben den Tod – und die Liebe.

Ein wunderbarer Roman, mein Favorit in diesem Winter.

Beck Verlag,  24,00 Euro