Susanne Abel: Stay Away From Gretchen

Susanne Abel: Stay Away From Gretchen

Greta schweigt, wie  so viele ihrer Generation hat sie gelernt, nach vorne zu schauen und einen schweren Deckel auf die Erlebnisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre zu legen. Aber im Alter bekommt er Risse und ihr Sohn Tom gibt nicht auf. Er möchte wissen, welche dunklen Ereignisse auch seine eigene Kindheit und sein Leben bis heute überschatten.
Und so kommt Gretas Geschichte ans Licht. Sie setzt uns zu, nimmt uns schier den Atem, vor allem aber erleben wir als Leser die ungeheuer befreiende Wirkung, wenn das Unsagbare endlich ausgesprochen wird.

DTV Verlag, 20,00 Euro

Malachy Tallack: Das Tal in der Mitte der Welt

Malachy Tallack: Das Tal in der Mitte der Welt

Ich war noch nie auf den Shetlands, aber Tallack hat in mir den Wunsch geweckt, unbedingt in dieses abgelegene, karge Tal zu reisen, wo es deutlich mehr Schafe als Menschen gibt. Und hoffentlich treffe ich sie dort auch, die wunderbaren Menschen, die mir bei der Lektüre so sehr ans Herz gewachsen sind…
Luchterhand Verlag 20,00 Euro

Colin Niel: Nur die Tiere

Colin Niel: Nur die Tiere

Im französischen Zentralmassiv verschwindet eine Frau spurlos.
Das könnte der Auftakt eines jeden beliebigen Krimis sein – was sich aber hier hinter der Fassade des idyllischen Landlebens auftut, ist weit mehr als das: Psychodrama, Sozialstudie, finsterster Roman Noir.
Ein echtes Leseerlebnis.
Lenos Verlag 22,00 Euro

Anne Weber: Annette, ein Heldinnen-Epos

Anne Weber: Annette, ein Heldinnen-Epos

Das erstaunliche Leben der Anne Beaumanoir, im 2. Weltkrieg Widerstandskämpferin in der Resistance, später Unterstützerin der algerischen Unabhängigkeitsbewegung, verurteilt zu 10 jahren Haft, Flucht nach Tunesien, um  der Strafe zu entgehen – wie läßt sich all das angemessen beschreiben?

Anne Weber hat eine ganz eigene Form gefunden, nur ein Epos kann einem solchen Leben gerecht werden. Und nach anfänglicher Irritation lässt man sich darauf ein, lässt sich forttragen von der Sprachmelodie durch alle Höhen und Tiefen dieses außergewöhnlichen Lebens.

Ein mutiges Buch über eine mutige Frau, das ganz zurecht mit dem Deutschen Buchpreis bedacht wurde.

Matthes & Seitz; 22 Euro

Marieke Lucas Rijneveld: Was man sät

Marieke Lucas Rijneveld: Was man sät

Eine Familie zerbricht nach dem tödlichen Unfall des ältesten Sohnes, die Eltern ziehen sich in ihre Trauer und Selbstvorwürfe zurück, überlassen die drei jüngeren Geschwister mehr oder weniger sich selbst. In diesem Moment endet die Kindheit, aber eine Vorstellung eines anderen, lebenswerten Lebens liegt noch außerhalb jeden Vorstellungsvermögens. Und so tasten sie sich voran, aus der Trauer heraus, irgendwohin, nur fort von dem bigotten, traurigen Elternhaus.

Von dieser Autorin werden wir noch viel lesen. Selten werden so finstere Momente und Gefühle so poetisch schön und sprachgewaltig eingefangen. 
Mein Buch für diesen Herbst.

Suhrkamp, 22 EUR

Thomas Hettche: Herzfaden

Thomas Hettche: Herzfaden

Der Roman beginnt fast wie ein Märchen: ein Mädchen verirrt sich auf den Dachboden der Augsburger Puppenkiste und trifft unter den bekannten Marionetten auf Hatü, die Gründerin der Puppenkiste. Sie beginnt die Geschichte des Theaters zu erzählen, von den Anfängen in den Kriegsjahren und dem Neubeginn in der Nachkriegszeit. Unmerklich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Poesie, greift die Rahmenhandlung in die Erzählung ein.

Mit Spannung und Vergnügen folgt man dem Autor auf seinen verschlungenen Wegen und lässt sich in die Welt des kleinen Theaters hineinziehen. Ganz sicher mein Favorit für den Deutschen Buchpreis in diesem Jahr.

Kiepenheuer & Witsch, 24 Euro

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